Tilo Eckardt - Verlagsleiter Heyne Belletristik / Geschäftsleitung Random House

über Nadja Zela's Songtexte

 

In vielen von Nadja Zelas eindringlichsten Songs durchziehen Dunkelheit

(«Darkness») und Einsamkeit («Loneliness») die Texte und verdichten sich zu

einer Traurigkeit, zu einem Blues, der das Ende von etwas anzukündigen

scheint: Das Ende von Beziehungen, vom Vertrauen in das eigene Gefühl, vom

Bezug zu einer brüchigen Welt, die sich rasend schnell verändert (Immaterial

World) und uns scheinbar immer mehr isoliert von uns selbst (Still Alive) und

unseren Mitmenschen. Bei Nadja Zela ist sogar der lichte Sonntagmorgen

beschwert mit kleinen schwarzen Steinen (Sunday Morning), die die

wandernde Erzählerin im Song wie vergangene Sünden aufklaubt.

Die Grösse von Nadja Zelas Songdichtung besteht darin, dass Sie diese

Traurigkeit und Dunkelheit nicht singend beschönigt, sondern ihr mit jeder

Zeile trotzt. Dann kulminieren ihre Texte zu Bannflüchen gegen das

Ungeheure, sie verteidigen vehement die Liebe und das Leben. Jedem Ende

folgt ein Anfang, mit dem Vergehen des Alten beginnt etwas Neues und der

tiefsten Einsamkeit trotzt sie mit Worten Hoffnung ab. Das Ich in ihren Texten

denkt nicht daran aufzugeben («I always find a way out» in Break Every Bone

und «I`m a born fighter» in Pot Belly), dieses Ich ist furchtlos in der

Verteidigung seiner selbst und der Menschen, die es liebt («my fearless soul» in

Wrong Side Of Town). Bei Nadja Zela scheint das Licht am hellsten in der

Dunkelheit und der kostbare Trost in der Einsamkeit ist die Freiheit («The

ingredient of loneliness is ... freedom» in Level Off Level Out). Sowohl für

Bedrohung als auch für Rettung findet Nadja Zela starke Bilder: die schwarze

Kobra (Black Cobra), die schwarze Witwe (Black Widow) auf der einen, den

geheimen Zwilling als Schutzengel in «Hidden Twin», das Glühwürmchen in

«Break Every Bone» als Licht in der Nacht auf der anderen Seite.

Spürbar schöpfen Nadja Zelas Texte aus persönlicher Erfahrung, aber sie findet

darin einen wahrhaftigen, lyrischen Ausdruck für die Zerissenheit und

Zerbrechlichkeit der gesamten menschlichen Existenz in unserer Zeit der

Verunsicherung.